15. September 2014
DIE LINKE spricht sich gegen die Errichtung des „Untersees“ aus

Inge-Bernert-gr
Die Vertreter der Linken Inge Bernert und Hartwig Hawerkamp (BZV Schildesche) und Bernd Schatschneider (Ratsmitglied und BZV Heepen) fordern, dass die Johannisbachaue unter Naturschutz gestellt und auf die Errichtung des „Untersees" verzichtet wird.



Wir halten den „Untersee" aus folgenden Gründen für unsinnig und überflüssig:

  • Der Untersee soll in erster Linie als Prestigeobjekt betrachtet und unter Freizeitgesichtspunkten (Bootshafen, Badestrand, Seeterrasse, Fähre, Seilbahn (!) etc.) betrieben werden mit dem erklärten Ziel, Menschen nach Bielefeld zu locken. Wir als Linke befürchten, dass dadurch das ökologische Gleichgewicht der Johannisbachaue und Umgebung nachhaltig geschädigt würde. Es haben sich selten gewordene Tiere (Rebhuhn, Kiebitz, Braunkelchen etc.), Insekten und Pflanzen dort wieder angesiedelt und breiten sich aus. Insgesamt bietet dieser Bereich mehr als 200 verschiedenen Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. Das „Heckrinder-Konzept" als Bestandteil extensiver Nutzung ist aufgegangen. Auch durch die aktuelle, verkleinerte Version des Vereins „Ein See für Bielefeld" wird es zu einem nachhaltigen Eingriff in die Ökologie der Johannisbachaue kommen.

  • Der See zieht eine entsprechende Freizeitinfrastruktur nach sich, die aufkommende Bautätigkeit belastet zwangsläufig das umliegende Gebiet, wie die Schildescher und Braker Anwohner durch die Errichtung der Bodendeponie noch in lebhafter Erinnerung haben werden. In einem durch die Herforder Straße, Talbrückenstrasse, Engersche Straße und Eisenbahnlinie sowieso schon eingeengten Gebiet würde das Verkehrsaufkommen zunehmen.

    Zwangsläufig würden Bestrebungen forciert, in dem naturnahen Bereich Grafenheider Straße notgedrungener maßen Entlastungsstraßen bauen zu müssen. Da die bisherigen Parkplätze nicht ausreichten, würde zusammen mit dem Bau neuer Entlastungs- und Zufahrtswege noch mehr Landschaft versiegelt werden. Diese Maßnahmen und die Freizeitaktivitäten an sich lassen den Hauptstressor Lärm ansteigen, und das in einem Erholungsgebiet!

  • Der See kann nur mit einem enormen finanziellen Aufwand (Staumauer, umfangreiches Reinigungs- und Filterkonzept, Damm- und Absperrbauten, Freizeiteinrichtungen etc.) errichtet werden. In den früheren Projekten war schon von ca. 50 Mill. € die Rede. Wir fragen uns, woher kommt da plötzlich das Geld für ein solches Projekt, wenn es doch nur leere Kassen im kommunalen Haushalten gibt? Oder soll, wie schon 2009 angedacht, der Bau durch den Verkauf von Baugebieten rund um den See finanziert werden? Wäre dies der Fall, würden sich dort einige wenige Wohlhabende entsprechende Filetstückchen am Ufer sichern und dort ihr Traumhaus mit Blick auf den See errichten? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt! Denn diese frischgebackenen Grundbesitzer dürften kaum erlauben, dass die Bielefelder Allgemeinbevölkerung durch deren Gartenanlage zum Baden geht! Starnberg lässt grüßen!

  • Somit scheint der Bau des Untersees in erster Linie entsprechende Geschäftsinteressen (Gastronomie, Immobilienfirmen, Baugewerbe, Freizeitindustrie etc.) zu bedienen. Selbst wenn eine Finanzierung von privater Seite die Anfangskosten deckt, ergibt sich die Frage, wer für die Folge- und Unterhaltungskosten beispielsweise der „teuren Filter- und Reinigungsanlagen" aufkommt. Es bleibt zu befürchten, dass auch hier letztendlich die Stadt Bielefeld herhalten muss, wenn die Privatinteressenten ihr Schäfchen schon längst ins Trockene gebracht haben. Vor Jahren wurden kurzerhand die Freibäder in Schildesche am Johannisbach und Brake abgerissen, da sie zu teuer seien. Dass dabei in der angrenzenden größten Grundschule Bielefelds in Brake kein ausreichender Schwimmunterricht mehr stattfinden kann, ist ein Skandal. Wieso scheinen nun plötzlich Prestigeprojekte in Millionenhöhe möglich, wo für die Grundversorgung kein Geld vorhanden ist?

  • Wir schließen uns der Kritik der Naturschutzverbände an, dass Bielefeld den Umweltschutz vernachlässigt: „Wer das bundesweit definierte Ziel beim Flächenverbrauch auf Bielefeld herunter breche, der landet bei jährlich 8 Hektar, auf denen statt Wiesen, Wald und Feldern neue Gebäude und Straßen entstünden. Bielefeld liegt hier fünf Mal höher – bei 30 bis 50 Hektar!", so die einhellige Meinung von Prof. Sossinka/BUND-Bielefeld, Tilman Rhode-Jüchtern/Pro-Grün, Wolfgang Beisenherz/NABU und Claudia Quirini-Jürgens/Naturwissenschaftlicher Verein im Mai 2014 im Rahmen einer Kommunalwahl-Podiumsdiskussion zum inflationären Flächenverbrauch, der seitens der Stadt betrieben wird und selbst geschützte Bereiche nicht auslasse.

Wir sprechen uns gegen die Errichtung des Untersees aus und empfehlen stattdessen den Ausbau ökologischer Projekte einschl. naturpädagogischer Arbeit im Bereich Obersee, Johannisbachaue und entlang des Bachlaufs Richtung Brake!

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