06. Juli 2017
Wohnraumbedarf 2020/2035

Dr.Dirk-Schmitz-grObwohl die Verwaltung den Einwohnerantrag "Bezahlbares Wohnen für alle" abgelehnt hat, stellte sie in einer Informationsvorlage den Wohnraumbedarf 2020/2035 vor. Dabei kam Baudezernent Moss mit seinen Berechnungen für die Zeit bis 2020 nur auf einen Bedarf von 6.000 Wohneinheiten.

Dr. Dirk Schmitz, kritisierte in seiner Rede den falsch errechneten Bedarf und die Ausrichtung auf den Neubau von teuren Mietwohnungen. Bei den Berechnungen der Verwaltung wurde die extrem niedrige Leerstandsquote bei den Wohnungen in Bielefeld nicht berücksichtigt.

 

Herr Oberbürgermeister,
meine Damen und Herren,
Herr Moss

Herr Moss, Sie führen in der Tabelle 1 der Vorlage den voraussichtlichen Wohnraumbedarf 2017 bis 2020 - aufgeschlüsselt nach unterschiedlichen Wohneinheiten auf.

An dieser Stelle muss man sich bereits die Augen reiben:

Wir wissen aus den vergangenen Wohnungsmarktberichten, dass die größte Not im untersten Preissegment ist. Und hier ganz besonders bei Wohnungen für 1-Personenhaushalte.

Was Sie aber in die Tabelle schreiben, ist aber nicht der Bedarf, sondern das was sie bis 2020 realisieren wollen. Sie wollen offensichtlich die Bielefelder Wohnungsangebote so steuern, dass statt „bezahlbaren Wohnungen" vor allem Wohnungen zu höheren Mieten oder Eigenheime gebaut werden:
1.200 Ein- und Zweifamilienhäuser, 800 Eigentumswohnungen und 800 frei finanzierte Mietwohnungen - aber nur 1.200 bezahlbare Wohnungen, die öffentlich gefördert werden. Insgesamt mit Sonderformen 6.000 Wohnungen. Der Bedarf ist komplett anders.

Jetzt wurden 1.774 Wohnungen genehmigt, die aber erfahrungsgemäß nicht alle gebaut. In der Tabelle haben sie einfach mal hochgerechnet, was bis 2020 realisiert werden könnte bzw. soll. Völlig losgelöst vom tatsächlichen Bedarf.

Bauen sollen aber vor allem Privatinvestoren.

Dennoch heißt die Informationsvorlage: Wohnraumbedarf 2020/2035

Schon auf der ersten Seite – Herr Beigeordneter Moss – bemerken Sie: „Dabei werden nur demographische Faktoren für die Vorausberechnung der Haushalte einbezogen."

Sie versuchen also noch nicht einmal andere Faktoren – auch wenn es teilweise schwierig ist – diese zu berücksichtigen. Daher ist es kein Wunder, dass Sie zu ganz anderen Zahlen kommen, als das Land NRW.

Anfang letzten Jahres wurden Zahlen bekannt, nachdem bis 2020 bis zu 18.550 neue Wohnungen gebraucht werden. Ohne Menschen mit Zuzugsbegrenzungen, also Menschen aus nicht EU-Ländern, immer noch über 11.750 Wohnungen.

Sie, Herr Moss, kommen jetzt nur auf 6.000 Wohnungen. Das ist viel zu wenig und lässt sich leicht begründen: Für einen funktionierenden Markt brauchen wir eine Leerstandsquote von 3 Prozent. Bei unserer geringen Leerstandsquote von 0,4 % benötigen wir also nur dafür ca. 4.400 Wohnungen.
Dazu kommen notwendige Ersatzbeschaffungen für Wohnungen die z.B.: durch Abriss verloren gehen. Das Land rechnet hier mit einer Quote von 0,2 Prozent. In Bielefeld macht das in 4 Jahren 1.350 Wohnungen. Selbst wenn in Bielefeld diese Ersatzquote nur halb so groß seinen sollte, wären das immer noch rund 700 abgängige Wohnungen in 4 Jahren.

Die Verwaltung rechnet selber, dass die Anzahl der Wohnungen sich bis 2020 um ca. 2.500 Haushalte erhöhen wird. In der Summe kommen wir jetzt schon auf 7.600 Wohnungen.

Und dabei fehlen noch viele Bedarfe: beispielsweise durch Zuzug von Einwanderern und ausreichen Wohnraum für die 40.000 Bielefelder Studenten.
Insgesamt erscheint daher der tatsächliche Bedarf von über 11.000 Wohnungen bis 2020 sehr plausibel.

Und dazu kommt jetzt noch der kurzfristig eingereichte Antrag der Paprika-Koalition.
Wir begrüßen, dass die Paprika-Koalition möchte, dass schnell und mehr gebaut werden soll. Auch eine zusätzliche Stelle ist dringend erforderlich. Wir hatten im Stadtentwicklungsausschuss sogar zwei zusätzliche Stellen beantragt.

Das Problem bei dem Antrag ist die Konzentration auf private Investoren. Bauen sollten aber vor allem die Solion GmbH und dann auch noch die BGW.
Wir brauchen aber vor allem bezahlbaren Wohnraum.

Darum stellen wir einen kurzen alternativen Antrag:

zu TOP 6.1

1. Es wird ein Wohnungsbaubeauftragter geschaffen, der die Verwaltung bei der Schaffung von bezahlbaren Wohnraum unterstützt.

2. Die Verwaltung wird beauftragt, zusätzlich auch Flächen im Besitz des Landes auf ihre Eignung und Aktivierung zum Bau von bezahlbaren Wohnraum zu untersuchen.


Der Antrag wurde leider abgelehnt. Beschlossen wurde der Antrag der Paprika-Koalition. Hier soll der künftige Wohnungsbaubeauftragte jedoch vor allem private Investoren unterstützen. Für langfristig bezahlbaren Wohnraum muss jedoch die Stadt selber bauen.

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