14. März 2015
Glücks-Debatte im Bielefelder Rat

Glück ist von sozialer Gerechtigkeit abhängig

Peter-Ridder-Wilkens-grRede von Peter Ridder-Wilkens, Fraktion DIE LINKE Bielefeld, zur Anfrage der Gruppe „Bürgernähe/Piraten" nach der Erhebung eines Glücksindexes für Bielefeld.

Hinweis: Die sogenannte „Paprika Koalition" unter der Beteiligung von Piraten/Bürgernähe hat im Koalitionsvertrag erneuten deutlichen Stellenabbau in der Verwaltung, Erhöhung von Kita-Gebühren, Leistungsabbau für Bürger*Innen und Erhöhung der Grundsteuer beschlossen. Ob hierdurch der allgemeine Glücksindex in Bielefeld steigt darf bezweifelt werden.

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

als ich die Anfrage von Bürgernähe und Piraten gelesen habe, dachte ich mir: Na ja, der Herr Gugat ist eine Neuling in der Politik, der kennt sich noch nicht so aus, aber er und Herr Heißenberg sind so glücklich über die Koalitionsvereinbarung mit SPD und Grünen, dass sie die Bielefelder Bevölkerung an ihrem Glück beteiligen wollen. Sie wünschen sich die Implementierung einer Glücksforschung in der Verwaltung, natürlich als Querschnittsaufgabe, aber kosten- und personalneutral.

Als Nebeneffekt geht die Fehlquote der Verwaltungsmitarbeiter zurück. Diese sehen wieder mehr Sinn in ihrer Tätigkeit die Bielefelder Bevölkerung glücklich zu machen.
Die Verwaltungsvorlagen, die wir bekommen, beinhalten neben den üblichen Beschluss Vorschlägen den obligatorischen Glücksindexparagraf, natürlich in roter Schrift.
Dort steht dann: Nach dem derzeitigen Stand der Bielefelder Glücksforschung wird die Bielefelder Bevölkerung glücklicher werden, wenn Sie sich so und so entscheiden.
Wir Linken werden uns wahrscheinlich für Glücksindexparagrafen aussprechen und sie werden sich den Sachzwängen beugen. Aber eins ist sicher. Es wird zu keiner Veränderung der Politik führen.

Ich sehe schon, dieses Szenario macht sie nicht glücklich. Mit dem Glück ist ja auch etwas komplizierter.


Die Unterhaltungs- und Werbeindustrie versucht uns einzureden, das man heute glücklich zu sein hat. Wer nicht glücklich ist, soll konsumieren. Damit erfüllt der Mensch heute seine 1. Staatsbürgerpflicht: Die Wirtschaft anzukurbeln. Das macht den Staat und die Wirtschaft glücklich.
Wer sein Glück über den Konsum nicht findet, ist selbst schuld. Der muss an seinem Glück arbeiten. Dafür gibt es dann die Erfolgs- und Glücksratgeber, Yoga und Lachkurse und wenn alles nichts hilft die positive Psychologie.

Angeleitete fünfminütige Lachkurse zu Beginn der Ratssitzung. Das wäre doch eine Idee für einen Antrag zur nächsten Ratssitzung von Bürgernähe und Piraten. Das wäre doch ein erster Schritt zum Glück.

Meine Damen und Herren,

es gibt seriöse Studien zu dem Thema: Was macht Gesellschaften glücklich und zufrieden.

Ein zentrales Kriterium ist die soziale Ungleichheit:

Menschen, die in Gesellschaften mit geringerer sozialer Ungleichheit leben, sind zufriedener und glücklicher. Also geben sie den Arbeitslosen, Teilzeitbeschäftigten, Minijobbern, Niedriglöhnern und Geringverdienern mehr Geld und nehmen sie das Geld den Reichen und Vermögenden durch Besteuerung weg. Schließlich muss ein Manager nicht 200 x mehr verdienen als ein Facharbeiter. Es reicht doch, wenn er 20 bis 30 x so viel verdient. Und im Ergebnis sind beide Seiten glücklicher.

Ich will noch ein 2. Kriterium für glückliche und zufriedene Gesellschaften nennen: Eine gute öffentliche Daseinsvorsorge mit freiem Zugang zu Gesundheitsversorgung, Bildung, Kinderbetreuung und Kultur.

Ja vor 2 Wochen hat die Paprikakoalition die Gebühren und Beiträge für den offenen Ganztag und die Kinderbetreuung erhöht.

Die Eltern, mit denen ich gesprochen habe, waren darüber nicht glücklich, im Gegenteil eher sauer und verärgert.

Ob nun der Glücksindex irgendwann mal in Bielefeld eingeführt wird, weiß ich nicht.
Ob sie mit einem Bielefelder Glücksindex glücklicher werden, kann ich Ihnen nicht sagen.

Ich möchte Ihnen zum Abschuss nur eins sagen:
Wenn Sie unzufrieden sind mit den Verhältnissen und der Politik protestieren Sie.

Ansonsten wünsche ich Ihnen Zufriedenheit und ab und zu ein bisschen Glück.

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