10. November 2011
Gegen Grundschulschließungen in Brackwede

r04_onur ocak 02Rede von Onur Ocak in der Ratssitzung am10. 11. 2011 zu

TOP 5: „Schulorganisatorische Maßnahmen im Grundschulbereich“
(SPD, Grüne und FDP haben mit ihrer Mehrheit beschlossen, die Südschule und die Vogelruth-Schule in das Gebäude der Marktschule in Brackwede zu fusionieren.)


Meine Damen und Herren,

ich möchte hier noch einmal auf die 40.000 Unterschriften der Eltern dieser Stadt hinweisen. Ohne diese Unterschriften hätte die Ampelkoalition schon im letzten Jahr 5 Schulen geschlossen, die heute nicht mehr rückgängig zu machen gewesen wären.
Dieses Unglück ist uns erspart geblieben. Die Verwaltungsvorlage bleibt jedoch darüber hinaus in mindestens zwei Punkten problematisch.

Erster Punkt: Brackwede

Zwar steht drin, dass nun keine Schulen geschlossen werden sollen. Jedoch verfolgt die Ampel in Brackwede immer noch die Idee einer sog. Fusion. Als Begründung wird der Raummangel für den OGS genannt. Faktisch ist dies jedoch die Auflösung von zwei Schulstandorten und dafür die Gründung einer neuen.

DIE LINKE lehnt diese Maßnahme ab!

Richtig ist, dass die Vogelruth-Schule dringend OGS-Plätze braucht, jedoch hat die Südschule bisher noch keine solchen Kapazitätsprobleme und diese sind auch nicht zu erwarten. Sodass ein alleiniger Umzug für die Vogelruth-Schule in das Gebäude der Marktschule das mildeste, geeignete Mittel wäre.

Eine Zusammenlegung der Schulen hätte erhebliche Folgen. Die neue Schule würde eine Schulgröße mit 400 Schülern und mehr bedeuten. Wir halten es nicht für zielgerecht, solche übergroßen Systeme zu etablieren. Eine gute Schule zeichnet sich nicht durch Anonymität und Schülermassen aus. Insbesondere Grundschulkinder brauchen, kleine, individuelle und insbesondere persönliche Atmosphäre.

Solche „weichen Faktoren“ sind es auch, die erfolgreiches Lernen in den Schulen ermöglichen. Hinzu kommt auch noch der Vorteil, dass die Südschule einen Schulwald hat, der besondere pädagogische Maßnahmen gewährleisten kann.

Zum Prinzip des wohnortnahen Lernens gehört darüber hinaus auch ein sicherer Schulweg. Es ist unverantwortlich, wenn man kleine Grundschulkinder der Südschule über den vierspurigen Stadtring schickt.

Deshalb findet diese Maßnahme keine Zustimmung von der Linksfraktion.


Zweiter Punkt: Schuleinzugsbereiche

Im Rahmen der Beratungen der Schulentwicklungsplanung habe ich beständig daraufhingewiesen, dass es nicht angehen kann, dass ein Flickenteppich an Schuleinzugsbereichen entsteht.

Es ist nicht vermittelbar, warum einige Schule welche haben und andere nicht. In den Genuss dieses Privilegs sollten alle Schulleitungen, Schüler und Eltern kommen.

Wohnortnahes Lernen ist ein hohes Gut und dafür müssen politische Weichenstellungen gesetzt werden.

Haben vor der Abschaffung der Schulbezirksgrenzen 8 % der Eltern ihre Kinder nicht an der wohnortnächsten Schule angemeldet, so ist der Anteil nach dem Wegfall der Schul-bezirksgrenzen auf 22 % gestiegen.

Schulen sind keine Waren! Sie dürfen nicht dem Wettbewerb ausgesetzt werden!

Es gibt viele Schulen, die unter widrigen Bedingungen hervorragende Arbeit leisten. Diese Arbeit muss im Rahmen des Stadtbezirkes gewährleistet werden.

Denn Profil, Stärke und Qualität einer Grundschule liegen in ihrem Stadtteilbezug „d.h sie eröffnet mit ihrer pädagogischen Arbeit den Kinder vielfältige Erfahrungen in der eigenen Wohnumgebung und unterstützt die Kinder damit bei den nächsten Schritten ihrer individuellen Entwicklung. Als Stadtteilschule hat die Grundschule einen sozial-integrativen Auftrag, den sie nur erfüllen kann, wenn alle Kinder aus der Umgebung diese Schule auch Besuchen“ [GEW NRW 1) ]

Nur wenn die Schüler in ihrem Wohnort zur Schule gehen, lassen sich die sozialen Kontakte und Freundschaften aufrecht erhalten, die wesentlich und prägend für die Entwicklung eines Kindes sind.

„Aber auch das außerunterrichtliche Engagement von Kindern und Eltern wird im Wesentlichen bestimmt von einer Identifikation mit der örtlichen Schule. […]Auch hier ist eine nahe gelegene Grundschule notwendig“ [Mark Schulz, Grüne Ratsfraktion Wuppertal 2) ]

Aus diesen Gründen muss dieses Privileg bielefeldweit gewährleistet werden und nicht nur in einzelnen Bezirken.
Auch hier ist die Verwaltungsvorlage völlig unzureichend!
Sie nutzt die Möglichkeiten des Schulgesetzes nicht!

Deswegen werden wir die Verwaltungsvorlage ablehnen.

1) GEW NRW, Stellungnahme 14/0038 Landtag NRW
2) Schulz, Mark (Grüne Ratsfraktion Wuppertal), Rede in der Ratssitzung am 19.12.05.

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