Seniorenpolitischer Empfang der Ratsfraktion Die Linke bringt konkrete Anliegen älterer Menschen auf den Tisch
Rund 75 Menschen folgten am 2. Oktober der Einladung der Ratsfraktion Die Linke zum seniorenpolitischen Empfang unter dem Titel „Lebenswertes Bielefeld – auch im Alter!?“ in den Ratssaal des Neuen Rathauses. Im Mittelpunkt standen die Lebensbedingungen älterer Menschen in Bielefeld, die Folgen der aktuellen Sozialpolitik und vor allem die Frage: Was muss sich in Bielefeld verändern, damit ältere Menschen gut, selbstbestimmt und sicher leben können?
„Wir wollten nicht nur über ältere Menschen sprechen, sondern vor allem mit ihnen“, betont Angelika Beier, Fraktionsvorsitzende der Ratsfraktion Die Linke und Vorsitzende des Sozial- und Gesundheitsausschusses. „Die große Resonanz und die vielen konkreten Hinweise haben gezeigt, dass es einen großen Gesprächs- und Handlungsbedarf gibt.“
Zu Beginn stellte Angelika Beier zentrale Daten und Fakten zur Lebenslage älterer Menschen in Bielefeld vor. Dabei ging es unter anderem um die wachsende Zahl älterer Menschen, Pflegebedarfe, soziale Ungleichheit, Wohnen und die Frage, unter welchen Bedingungen ein selbstbestimmtes Leben im Alter möglich bleibt.
Anschließend berichtete Martina Schu, Geschäftsführerin von ver.di OWL, über die Auswirkungen der aktuell beschlossenen oder geplanten Kürzungen im sozialen Bereich. Deutlich wurde dabei: Sozialpolitische Kürzungen treffen nicht nur Einrichtungen und Beschäftigte, sondern unmittelbar auch die Menschen, die auf soziale Infrastruktur und Unterstützung angewiesen sind.
Besonders intensiv wurde es im anschließenden Austausch. Die Teilnehmer:innen waren eingeladen, ihre Sorgen, Wünsche und konkreten Vorschläge an die Politik zu benennen. Davon machten sie rege Gebrauch.
Viele konkrete Anliegen
Über gesammelte Karten und Wortmeldungen fanden sich zahlreiche Themen, die den Alltag älterer Menschen unmittelbar betreffen. Dazu gehören insbesondere:
- mehr Sicherheit und Unterstützung im Alltag, beispielsweise bei körperlichen Einschränkungen und bei notwendigen Umzügen,
- bezahlbarer und barrierefreier Wohnraum sowie eine stärkere Berücksichtigung von Menschen mit geringem Einkommen,
- eine verlässliche ärztliche und pflegerische Versorgung, einschließlich der Problematik der viel zu hohen Eigenanteile im Pflegeheim,
- ein konsequenter Hitzeschutz und die Umsetzung des Bielefelder Hitzeaktionsplans,
- mehr öffentliche und kostenfreie Toiletten,
- bessere Bekanntmachung vorhandener Beratungs- und Unterstützungsangebote,
- ein öffentlicher Nahverkehr, der auch für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen gut nutzbar ist,
- Unterstützung bei der Nutzung digitaler Angebote, gleichzeitig aber der klare Wunsch: Analoge Informationen und Zugänge müssen erhalten bleiben,
- Hilfen beim Umgang mit Internet und digitalen Angeboten,
- Kritik an Gebühren und Kosten, etwa beim „Bielefeld-Konto“ der Sparkasse sowie der Abschaffung des 4er-Tickets bei moBiel,
- der Wunsch nach mehr Respekt und Rücksichtnahme im öffentlichen Raum,
- Unterstützung von Begegnungs- und Gesprächsangeboten, etwa durch bezahlbare Raummiete,
- sowie die Forderung, dass Bund und Land die Kommunen bei ihren sozialen Pflichtaufgaben nicht mit den Kosten alleinlassen.
Auch ganz praktische Ideen wurden angesprochen – etwa die Weitergabe gebrauchter Smartphones, kostenlose und niedrigschwellige Möglichkeiten, digitale Angebote zu nutzen.
„Die Diskussion hat deutlich gemacht: Die Bedürfnisse älterer Menschen sind sehr unterschiedlich, aber viele Probleme haben eine gemeinsame Ursache – fehlende soziale Infrastruktur, steigende Kosten und zunehmende Barrieren im Alltag“, so Angelika Beier.
Die Ratsfraktion Die Linke will die beim Empfang gesammelten Anregungen nun politisch weiterverfolgen. „Wir nehmen die Hinweise der Teilnehmer:innen mit in die kommunalpolitische Arbeit. Für uns ist klar: Ein lebenswertes Bielefeld im Alter braucht bezahlbares Wohnen, gute Pflege und Gesundheitsversorgung, erreichbare soziale Angebote, Barrierefreiheit und einen starken öffentlichen Nahverkehr. Und dafür braucht es auch eine ausreichende Finanzierung der Kommunen“, erklärt Beier.
„Der Empfang hat gezeigt, wie wichtig es ist, älteren Menschen zuzuhören und ihre Erfahrungen und Forderungen ernst zu nehmen. Wir bedanken uns bei allen, die sich beteiligt und ihre Perspektiven eingebracht haben.“
